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Jeder muss seine Chancen nützen
Vollbesetzte Güterhalle beim CSU-Neujahrsempfang in Velden
– Rücksichtsvolles Miteinander angemahnt (by Harald Schwarz)

JU-Bezirksvorsitzender Florian Oßner (mitte) bedankte sich
bei Erwin Huber, StM a.D., Elisabeth Fuchshuber und bei Landrat Josef
Eppeneder (von rechts) für das langjährige Engagement im Markt Velden.
Velden. „Ein Leben wie im Paradies gibt es auf der Erde
nicht, dass müssen wir uns hier hart erarbeiten“. Das sagte Staatsminister
a.D. Erwin Huber zum Abschluss seiner Festrede beim Neujahrsempfang der CSU.
Dabei war sein Vortrag aber alles andere als entmutigend. Im Gegenteil;
Huber bemühte sich den Menschen Mut zu machen und Zuversicht zu verbreiten.
Er lobte die Arbeit aller, die sich ehrenamtlich engagieren; die
Verbraucher, die sich nicht verunsichern lassen; die Jugend, die besser sei
als ihr Ruf; aber auch die mittelständischen Unternehmer, die das Rückgrat
der Wirtschaft bilden.
Gleichzeitig forderte er alle Demokraten auf, sich Radikalen
entschlossen entgegen zu stellen. „Dieser Staat ist es wert, dass wir ihn
verteidigen“. Dazu gehört für ihn auch, dass jeder darauf achtet, Gewalt
oder Gewaltverherrlichung beispielsweise im Sprachgebrauch zu vermeiden.
„Wir müssen friedvoller und rücksichtsvoller miteinander umgehen“.
Bereits zum 19. Mal hat die Veldener CSU ihren
Neujahrsempfang organisiert; bereits zum 19. Mal hieß der Festredner Erwin
Huber; bereits zum 19. Mal kamen zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft
in die vollbesetzte Güterhalle. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses
im Landtag bescheinigte Velden, dass es sich hervorragend präsentiere. Dank
eines breiten und leistungsfähigen Mittelstandes, der investiere und
Lehrstellen anbiete, sei es wirtschaftlich stark. Diese Stärke liege aber
auch an den Menschen, die fleißig seien und Eigenverantwortung übernehmen.
Die Basis sieht Huber in den politischen Rahmenbedingungen, die der
Freistaat schaffe. Dazu gehöre beispielsweise auch mit Kinderkrippen ein
breiteres Angebot bei der Kinderbetreuung. 35 Prozent der Ein‐ bis
Zweijährigen brauche einen Krippenplatz. Gleichzeitig würdigte er die
Erziehungsleistung aller Eltern, da ein Krippenplatz die Familie nur
ergänzen, aber nicht ersetzen könne. Huber drückte sein Unverständnis über
das Gerede in Sachen Elterngeld deutlich aus. Für einen Krippenplatz werde
monatlich rund 1000 Euro bereit gestellt, warum solle dann nicht auch die
Leistung der Eltern gewürdigt werden, die ihre Kinder zu Hause aufziehen.
Eine Lanze brach Huber für das ehrenamtliche Engagement und
die Verbraucher. Ohne die Ehrenamtlichen gebe es deutlich weniger Angebot in
allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Die Verbraucher bezeichnete
Huber durch den privaten Konsum als „Stabilisator der Wirtschaft“. Sie
hätten sich nicht von Panikmache anstecken lassen, sondern mit gesundem
Menschenverstand agiert.
Ausführlich sprach Erwin Huber über die Jugend. So
bescheinigte er ihr, dass sie leistungswillig und leistungsbereit sei und
keineswegs so schlecht, wie ihr Ruf. Er erinnerte die (zumeist älteren)
Zuhörer an ihre eigene Jugend und stellte fest, dass die Versuchungen in der
heutigen Zeit deutlich höher seien. „Es gehört schon viel Kraft dazu, sich
allem entgegen zu stellen“. Gleichzeitig warnte er davor, die Jugendlichen
vorschnell zu verurteilen: „Wer nie in Versuchung geführt wurde, kann leicht
ein Heiliger sein“. Gleichzeitig freute er sich, dass in Bayern die
Jugendarbeitslosigkeit mit zwei Prozent so niedrig ist. In Spanien oder
England liegt sie bei etwa 20 bis 30 Prozent. Die Politik habe durch die
Schaffung von 43.000 neuen Studienplätzen in den vergangenen fünf Jahren
oder die Einstellung von 1000 zusätzlichen Lehrern pro Jahr die Chancen der
jungen Leute verbessert. Diese müssten sie nur nutzen.
Die Unternehmer erinnerte Huber an ihre soziale Verantwortung
in Sachen „Fachkräftemangel“. „Bevor die Wirtschaft nach jungen Indern
schreit, soll sie erst einmal älteren Arbeitslosen eine Chance geben“,
meinte er plakativ, traf aber damit den richtigen Ton bei den Zuhörern. In
Sachen „Eurokrise“ zeigte sich Huber zuversichtlich. Sie werde uns noch
einige Zeit begleiten, doch „wir werden auch das schaffen“. Gleichzeitig
ermahnte er alle Länder „sich mehr am Riemen zu reißen. Nur der Lump gibt
mehr aus, als er einnimmt“.
„Wir müssen auch den kranken und alten Menschen eine Chance
geben“, so Landrat Josef Eppeneder im Nachgang. Der Landkreis werde hier
seiner Verantwortung gerecht, bei einer Landkreisgröße von 1350
Quadratkilometern eine flächendeckende medizinische Versorgung zu bieten.
Der dritte Schwerpunkt betrifft die Landkreisfinanzen; und hier berichtete
Eppeneder, dass man bereits zum neunten Mal ein Jahresergebnis mit null Euro
Neuverschuldung anpeile. Daher sei es auch weiterhin notwendig, genau
hinzusehen, was notwendig und was wünschenswert ist. „Unsere Aufgabe ist es,
so zu agieren, dass unsere Nachkommen sagen können: 'Des hams guat gmacht'“,
so der Landrat.
Die Begrüßung übernahm in diesem Jahr zum ersten Mal der neue
CSU-Ortsvorsitzende und Bezirksvorsitzende der Jungen Union, Florian Oßner,
nicht ohne sich bei seiner Vorgängerin Elisabeth Fuchshuber, die den
Neujahrsempfang seit 1996 organisierte, zu bedanken. Oßner gab einen
schlaglichtartigen Jahresrückblick und zeigte auf, welche Aufgaben die
Marktgemeinde in nächster Zeit zu schultern habe. Dabei erinnert er unter
anderem an Krippen‐ und Kindergartenbau, das neue Baugebiet in Obervilslern
oder die gemeindliche Hackschnitzelheizung. Gleichzeitig wünschte er sich,
dass alle neuen Dingen offen begegnen, sonst „verspielt man viele Chancen“. |