|
„Im Mittelpunkt stehen die Kinder“
Dr. Marcel Huber referierte zum Thema „Von der Hauptschule zur
Mittelschule“
„Mit der Bildung von Mittelschulen soll die Vielfalt der Angebote
und die Qualität gesteigert und gleichzeitig der Erhalt der
wohnortnahen Hauptschule gewährleistet werden“, erklärte
Staatsekretär für Unterricht und Kultus, MdL, Dr. Marcel Huber, in
seinen Ausführungen am Donnerstagabend im Gasthaus Maxlwirt.
„Die Hauptschulen leisten Enormes in Bayern“, bekräftigte Huber.
Dies sei dem hohen Engagement der Lehrer und Schulleitungen zu
verdanken. Trotzdem sei man wegen der sinkenden Schülerzahlen und
dem veränderten Übertrittsverhalten zum Handeln gezwungen. Dabei
gehe es um die Erhaltung möglichst vieler, wohnortnaher
Hauptschulen: „Kleine Schulen funktionieren gut, es herrscht eine 100-prozentige Vermittlungsquote der Schulabgänger
durch die enge Vernetzung mit der regionalen Wirtschaft“. Nun gehe
es darum, die große Vielfalt und die Qualität von Hauptschulen zu
steigern. Dies sei jedoch nur in Verbünden zu so genannten
Mittelschulen möglich. Die Definition des Gesetzes werde zum 1.
August erarbeitet, die ersten Mittelschulen könnten also schon zum
nächsten Schuljahr gebildet werden. Huber verdeutlichte die hierfür
notwenigen Kriterien: Eine Schule des Verbundes muss den Mittleren
Abschluss bieten. Jede Schule muss über eine Ganztagesbetreuung
sowie ein dreigeteiltes Zweigangebot aus Wirtschaft, Sozialem und
Technik verfügen. Die Schulen müssen außerdem einen engen Kontakt
zur Wirtschaft pflegen, das heißt, eine enge Kooperation mit den
regionalen Betrieben eingehen. Außerdem muss zur individuellen
Förderung die Arbeit in Gruppen gegeben sein. Huber favorisiert
zudem das Angebot von Praxisklassen.

Marcel Huber referierte über das bayerische Bildungssystem
Marcel Huber merkte an, im Schulsystem sei an entscheidenden Stellen
immer wieder an Stellschrauben zu drehen, um ein qualitativ
hochwertigen und gerechtes Bildungssystem zu gewährleisten. Im
Mittelpunkt stehe dabei immer das Kind. So würden in der Grundschule
derzeit Pilotprojekte laufen, die ersten beiden Jahrgangsstufen
zusammen zulegen. Die Kinder hätten dabei die Möglichkeit, diese
Phase in einem, zwei oder auch drei Jahren zu durchlaufen. Für die
entscheidende Übertrittphase in höhere Schulen sollen künftig drei
Informationsquellen dienen: neben dem Notenschnitt mit Empfehlung
der Lehrer soll künftig der Elternwille mehr berücksichtigt werden.
Außerdem solle die Einführung von „Gelenkklassen“ dazu dienen, die
Schulwahl gegebenenfalls zu korrigieren. Huber plädierte in diesem
Zusammenhang dafür, in der Bevölkerung eine höhere Anerkennung für
den Wert eines guten Handwerks zu fördern.
Die Einführung des G 8 sei nicht optimal gelaufen, räumte Huber ein.
Inzwischen jedoch hätte die Möglichkeit neuer Fächerkombinationen,
die Straffung des Stoffes durch die Orientierung an Kompetenzen und
die Förderung durch Intensivierungsstunden die Lage entschärft. In
der zweijährigen gymnasialen Oberstufe würden Seminare in
Kooperation mit außerschulischen Partnern den Schülern wichtige
Erfahrungen liefern. Zudem gäbe es propädeutische Seminare zur
optimalen Vorbereitung auf die Universitäten. Die Angst vor
schlechteren Examensnoten habe sich nicht bestätigt, denn es würden
neue Bewertungsmaßstäbe angewendet, um die Chancen auf einen
Studienplatz zu verbessern.
An der sechsstufigen Realschule werde nicht gerüttelt, sagte Huber.
Sie werde gerne gewählt und habe eine hohe Akzeptanz bei der
Wirtschaft erlangt. Huber verteidigte letztlich das dreigliedrige
Schulsystem: „Es geht darum, die jungen Leute gegen den
Konkurrenzdruck zu wappnen“
Wolfgang Zierer, Schulleiter in Geisenhausen, bezog sich auf die
Aussage des Deutschen Industrie- und Handelstages mit
20
Prozent nicht ausbildungsfähigen Schulabgängern: „Sparen Sie nicht
an den Hauptschulen, sparen Sie nicht an Lehrerstunden“. Huber
sagte, er wisse den großen Wert der Arbeit an den Hauptschulen zu
schätzen. Diese seien derzeit mit einer Durchschnittsklassenstärke
von 20,3 Schülern so gut
gestellt, wie nie zuvor.
Veldens Schulleiterin Karin Steffen-Weidinger bezog sich auf die
freiwillige Kooperationsform der Schulverbünde. Velden
beispielsweise sei eine bewusste Wahl zur Bildung eines
Schulverbundes mit Taufkirchen eingegangen: „Besteht die
Verpflichtung, nun eine weitere Schule aufzunehmen und wer fällt
letztendlich die Entscheidung“? „Die Freiwilligkeit hat Vorrang“,
meinte Huber dazu. Niemand dürfe zu einem Verbund gezwungen werden.
Er riet im speziellen Fall, zu überdenken, ob es nicht doch tragbar
wäre, eine dritte Schule aufzunehmen. Sollte kein Einvernehmen
zustande kommen, wäre dies der „Worst Case“. Dann liege die
allerletzte Entscheidung bei der Regierung. Auch Stefan Pielmeier
vom Schulamt Landshut sprach sich diesbezüglich für gemeinsame
Dialoge ohne verhärtete Fronten aus.
Schließlich berichtete Karin Steffen-Weidinger über besondere
Härtefälle an der Veldener Grundschule und appellierte daran, die
Schulsozialpädagogin auch für die Grundschule zu genehmigen. Huber
bejahte die Notwendigkeit der Ausweitung von Jugendsozialarbeit auf
andere Schularten. |