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Elefantengras: Zukunftsbereich für alle

Der AK Rohstoffe der Jungen Union gestaltete einen Informationsveranstaltung
zum Thema "Nachwachsende Rohstoffe das Potential für die Zukunft" mit
Praxisexkursion.
Eingangs ging Jugendbeauftragter Christian Hirtreiter in der Schambacher
Dorfschänke auf den globalen Energiemarkt und insbesondere den enormen
Energie- und Rohstoffbedarf von Indien und China ein. Mit ihren fast 3
Milliarden Menschen werden diese beiden Giganten mittelfristig die
Weltmärkte noch stärker bestimmen. In nur 5 Jahren haben sich Chinas
Exportzahlen verdoppelt. Wirtschaftswunder- Deutschland brauchte in den
60ern dazu 10 Jahre, Japan immerhin 7.
Nirgendwo wächst auf der Welt die Wirtschaft mit solchen Rekordwerten, aber
ohne Energie und Rohstoffe geht das nicht, so Hirtreiter, daher müsse man
vor allem bei uns mit Innovationen und Pioniergeist den Herausforderungen
entgegenstehen.
Schwerpunkt der Veranstaltung war ein Informationsvortrag von
Landwirtschaftsmeister Benno Soetz vom Institut für Nachwachsende Rohstoffe,
Straubing.
Der Experte schildert insbesondere auch die Chancen welche das Chinaschilf
bei uns ermöglicht. Miscanthus (auch Chinaschilf oder Elefantengras genannt)
wird in Europa seit langem als Zierpflanze angepflanzt. Forschung, Industrie
und Landwirtschaft interessieren sich seit fast 20 Jahre für Miscanthus als
nachwachsenden Rohstoff. Seitdem laufen vielfältige Versuche in der Praxis
zu Anbau und Nutzung von Chinaschilf.
Als Biomasse-Lieferant ist Miscanthus vor allem deswegen interessant, weil
der Massenzuwachs der Pflanze weit über dem von Getreide oder sonstigen
Energiepflanzen hinausgeht. Je mehr Biomasse pro Hektar geerntet werden
kann, umso wirtschaftlicher kann der Anbau sein.
Micanthus wird als Dauerkultur für einen Nutzungszeitraum von 15 bis 20
Jahren angelegt. Die Anlage von einer Chinaschilf-Kultur ist in den ersten
drei Wirtschaftsjahren mit relativ hohen Kosten und vergleichsweise
niedrigen Erträgen verbunden. Die Entscheidung für den Anbau von
Elefantengras ist aus der Sicht des Landwirts also durchaus eine
strategische. Das aus Südostasien (u.a. China, Japan und Korea) stammendes
ausdauernde Süßgras wurde vor 70 Jahren von Japan über Dänemark nach
Mitteleuropa eingeführtund wird im europäischen Raum über drei Meter hoch.
In warmen Sommern kommt es zwar auch hier zur Blüte, keimfähige Samen werden
aber nicht ausgebildet. Eine Vermehrung findet hier daher ausschließlich
vegetativ statt. Inzwischen findet das schnellwüchsige Chinaschilf wegen
seines hohen Brennwertes und seiner günstigen Kohlendioxidbilanz zunehmend
Verwendung als Brennstoff zur Energiegewinnung in Biomasseheizkraftwerken
vor allem in Österreich. In der Straubinger Region wird auf 20 Hektar
Miscanthus angebaut.
Bayernweit gibt es etwa 100 Hektar Chinaschilf, was nur einem Drittel der
österreichischen Anbeifläche entspricht. Pilotprojekte existieren in
Österreich und Deutschland. Das Energieäquivalent ist derzeit noch nicht
exakt fixiert, 7000 Liter Heizöl je Hektar sind allerdings realistisch, so
Benno Soetz Es sind bereits jetzt Förderungen des Anbaus über die
Stilllegungsprämie möglich, wobei aber das Potential mit steigendem
Heizölpreis sich erweitert. Ein Vorteil von Chinaschilf ist die Verlagerung
der Nährstoffe aus den Blättern in das Wurzelwerk gegen Ende der
Vegetationsperiode. Dadurch kann der Düngungsaufwand für diese Pflanze
reduziert werden. Eine Stickstoffgabe erhöht den Ertrag, kleine Kaligaben
(Asche) verbessern die Stängelfestigkeit. Durch die mehrjährige Ernte ohne
jährliche Ansäen entfallen auch die jährlichen energieintensive
Bodenaufbereitungsarbeiten, was der Energiebilanz deutlich gegenüber anderen
nachwachsenden Rohstoffen, wie z.B.Raps als pflanzlicher Kraftstoff
verbessert. In jüngster Zeit werden große Hoffnungen in Miscanthus gesetzt
als Zuschlagstoff zu Beton, quasi als Ersatz für den Stahl im Stahlbeton.
Vor allem aber im Bereich von Lehmhäuserbau und Naturhausdämmung ist ein
enorme Zukunft von Chinaschilf denkbar. Aus dem exotischen Rohstoff
entstehen Wände und Estrich, die wegen des Luftgehalts in den
Pflanzenstängeln einen ausgezeichneten Dämmwert besitzen. Chinaschilf kann -
anders als Bambus - auch in Deutschland großflächig angepflanzt werden, es
wächst überall dort, wo Mais angebaut wird. Darüber hinaus ist die Pflanze
sehr anspruchslos und unempfindlich gegenüber Schädlingen. Durch das rasche
Wachstum bindet das Schilf rund 30 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid.
Und da Miscanthus erst im Frühjahr geerntet wird, bietet es im Winter vielen
Tieren Unterschlupf. Der Strohbau trägt zu einem gesunden Raumklima bei und
spart durch den hohen Wärmedämmwert enorme Heizkosten. Vor allem der
verstärkt bei vollisolierten Häusern auftretende Schimmelbefall ist bei
Miscanthusdämmung nicht vorhanden.
Der praktizierende Landwirt Martin Soetz stellte die Vernetzung der
Miscanthusanbauer dar und ging auf die Vorrichtungen zur Ernte und Pflanzung
ein.
Bei der Praxisexkursion stellte der Ittlinger Landwirt Xaver Urban dar: "Am
Anfang bin ich schon manchmal belächelt worden, aber jetzt hat sich gezeigt,
dass man mit Pioniergeist einfach weiter kommt".
Der Landwirt stellte anhand seiner 0,5-Hektar-grossen Anbaufläche die
Bodenbeschaffenheit und die Anforderungen des Chinaschilfs dar, was für die
45 Teilnehmer besonders interessant war. |