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Presseartikel vom 25. Februar 2007

Elefantengras: Zukunftsbereich für alle

 

 

Der AK Rohstoffe der Jungen Union gestaltete einen Informationsveranstaltung zum Thema "Nachwachsende Rohstoffe das Potential für die Zukunft" mit Praxisexkursion.

 

Eingangs ging Jugendbeauftragter Christian Hirtreiter in der Schambacher Dorfschänke auf den globalen Energiemarkt und insbesondere den enormen Energie- und Rohstoffbedarf von Indien und China ein. Mit ihren fast 3 Milliarden Menschen werden diese beiden Giganten mittelfristig die Weltmärkte noch stärker bestimmen. In nur 5 Jahren haben sich Chinas Exportzahlen verdoppelt. Wirtschaftswunder- Deutschland brauchte in den 60ern dazu 10 Jahre, Japan immerhin 7.

 

Nirgendwo wächst auf der Welt die Wirtschaft mit solchen Rekordwerten, aber ohne Energie und Rohstoffe geht das nicht, so Hirtreiter, daher müsse man vor allem bei uns mit Innovationen und Pioniergeist den Herausforderungen entgegenstehen.

 

Schwerpunkt der Veranstaltung war ein Informationsvortrag von Landwirtschaftsmeister Benno Soetz vom Institut für Nachwachsende Rohstoffe, Straubing.

 

Der Experte schildert insbesondere auch die Chancen welche das Chinaschilf bei uns ermöglicht. Miscanthus (auch Chinaschilf oder Elefantengras genannt) wird in Europa seit langem als Zierpflanze angepflanzt. Forschung, Industrie und Landwirtschaft interessieren sich seit fast 20 Jahre für Miscanthus als nachwachsenden Rohstoff. Seitdem laufen vielfältige Versuche in der Praxis zu Anbau und Nutzung von Chinaschilf.

 

Als Biomasse-Lieferant ist Miscanthus vor allem deswegen interessant, weil der Massenzuwachs der Pflanze weit über dem von Getreide oder sonstigen Energiepflanzen hinausgeht. Je mehr Biomasse pro Hektar geerntet werden kann, umso wirtschaftlicher kann der Anbau sein.

 

Micanthus wird als Dauerkultur für einen Nutzungszeitraum von 15 bis 20 Jahren angelegt. Die Anlage von einer Chinaschilf-Kultur ist in den ersten drei Wirtschaftsjahren mit relativ hohen Kosten und vergleichsweise niedrigen Erträgen verbunden. Die Entscheidung für den Anbau von Elefantengras ist aus der Sicht des Landwirts also durchaus eine strategische. Das aus Südostasien (u.a. China, Japan und Korea) stammendes ausdauernde Süßgras wurde vor 70 Jahren von Japan über Dänemark nach Mitteleuropa eingeführtund wird im europäischen Raum über drei Meter hoch. In warmen Sommern kommt es zwar auch hier zur Blüte, keimfähige Samen werden aber nicht ausgebildet. Eine Vermehrung findet hier daher ausschließlich vegetativ statt. Inzwischen findet das schnellwüchsige Chinaschilf wegen seines hohen Brennwertes und seiner günstigen Kohlendioxidbilanz zunehmend Verwendung als Brennstoff zur Energiegewinnung in Biomasseheizkraftwerken vor allem in Österreich. In der Straubinger Region wird auf 20 Hektar Miscanthus angebaut.

 

Bayernweit gibt es etwa 100 Hektar Chinaschilf, was nur einem Drittel der österreichischen Anbeifläche entspricht. Pilotprojekte existieren in Österreich und Deutschland. Das Energieäquivalent ist derzeit noch nicht exakt fixiert, 7000 Liter Heizöl je Hektar sind allerdings realistisch, so Benno Soetz Es sind bereits jetzt Förderungen des Anbaus über die Stilllegungsprämie möglich, wobei aber das Potential mit steigendem Heizölpreis sich erweitert. Ein Vorteil von Chinaschilf ist die Verlagerung der Nährstoffe aus den Blättern in das Wurzelwerk gegen Ende der Vegetationsperiode. Dadurch kann der Düngungsaufwand für diese Pflanze reduziert werden. Eine Stickstoffgabe erhöht den Ertrag, kleine Kaligaben (Asche) verbessern die Stängelfestigkeit. Durch die mehrjährige Ernte ohne jährliche Ansäen entfallen auch die jährlichen energieintensive Bodenaufbereitungsarbeiten, was der Energiebilanz deutlich gegenüber anderen nachwachsenden Rohstoffen, wie z.B.Raps als pflanzlicher Kraftstoff verbessert. In jüngster Zeit werden große Hoffnungen in Miscanthus gesetzt als Zuschlagstoff zu Beton, quasi als Ersatz für den Stahl im Stahlbeton. Vor allem aber im Bereich von Lehmhäuserbau und Naturhausdämmung ist ein enorme Zukunft von Chinaschilf denkbar. Aus dem exotischen Rohstoff entstehen Wände und Estrich, die wegen des Luftgehalts in den Pflanzenstängeln einen ausgezeichneten Dämmwert besitzen. Chinaschilf kann - anders als Bambus - auch in Deutschland großflächig angepflanzt werden, es wächst überall dort, wo Mais angebaut wird. Darüber hinaus ist die Pflanze sehr anspruchslos und unempfindlich gegenüber Schädlingen. Durch das rasche Wachstum bindet das Schilf rund 30 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid. Und da Miscanthus erst im Frühjahr geerntet wird, bietet es im Winter vielen Tieren Unterschlupf. Der Strohbau trägt zu einem gesunden Raumklima bei und spart durch den hohen Wärmedämmwert enorme Heizkosten. Vor allem der verstärkt bei vollisolierten Häusern auftretende Schimmelbefall ist bei Miscanthusdämmung nicht vorhanden.

 

Der praktizierende Landwirt Martin Soetz stellte die Vernetzung der Miscanthusanbauer dar und ging auf die Vorrichtungen zur Ernte und Pflanzung ein.

 

Bei der Praxisexkursion stellte der Ittlinger Landwirt Xaver Urban dar: "Am Anfang bin ich schon manchmal belächelt worden, aber jetzt hat sich gezeigt, dass man mit Pioniergeist einfach weiter kommt".

 

Der Landwirt stellte anhand seiner 0,5-Hektar-grossen Anbaufläche die Bodenbeschaffenheit und die Anforderungen des Chinaschilfs dar, was für die 45 Teilnehmer besonders interessant war.

 
 

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Letzte Aktualisierung dieser Seite 01.02.2012